Agroscope bestätigte in der Schweiz sechs Unkrautarten welche Herbizidresistenzen aufweisen (Agroscope: Resistenznachweise). Für den Ackerbau relevant sind: Ackerfuchsschwanz, gemeiner Windhalm, italienisches Raygras, weisser Gänsefuss. Es werden jedoch weitere Resistenzen, beispielsweise bei Kamille, angenommen.
Drei Resistenzgruppen sind im Ackerbau betroffenen, es handelt sich dabei um die HRAC Gruppen 1, 2, und 5 (früher HRAC A, B, C1 und C2). Im Getreide z.Bsp. sind vor Allem Frühjahresbehandlungen betroffen, es gibt aber auch Standorte wo Herbstbehandlungen nicht mehr wirken. Diese Ergebnisse stellen aber nur die Spitze des Eisbergs dar, da sie nicht das Ergebnis eines repräsentativen Monitorings sind.
Eine genaue Analyse der Parzellenblätter der letzten Jahre kombiniert mit den Beobachtungen der Bewirtschaftenden ist oft zielführend. Besteht der Verdacht bei wenigen Pflanzen auf dem Feld, kann man nur mit einem Test, welcher von einem Labor durchgeführt wird, mit Sicherheit von einer Resistenz sprechen.
Folgende Resistenzen konnten durch Agroscope im Ackerbau bisher festgestellt werden:
Gemeiner Windhalm (Apera spica-venti)
Ackerfuchsschwanz (Alopecurus myosuroides)
vor allem einfache Resistenzen gegenüber der Resistenzgruppe 1
auch einfache Resistenzen gegenüber den Gruppen 2 und 5
Doppel-Resistenzen gegenüber den Resistenzgruppen 1+2 und 1+5
Dreifach-Resistenzen gegenüber den Resistenzgruppen 1+2+5
Italienisches Raigras (Lolium multiflorum)
Weisser Gänsefuss (Chenopodium album)
- einfache Resistenzen gegenüber der Resistenzgruppe 5

Resistenter Windhalm im Getreide.
Die präventiven Massnahmen zur Verhinderung der Resistenzbildung entsprechen der guten landwirtschaftlichen Praxis und dienen zur Reduktion des allgemeinen Unkrautdrucks. Wichtige Beispiele dafür sind:
- Das Abwechseln von Frühjahrs- und Herbstkulturen ermöglicht das variieren der Keimzeitpunkte und verhindert daher die Dominanz einzelner Arten.
- Das Verschieben der Saatzeitpunkte verhindert das Auflaufen kulturspezifischer Unkräuter.
- Eine schnelle Bodenbedeckung sicherstellen, damit man eine Konkurrenz gegen die auflaufenden Unkräuter hat.
- Pflugeinsatz, Stoppelbearbeitungen und das Anlegen eines falschen Saatbetts reduzieren den Samenvorrat im Boden.
- Mechanische Unkrautbekämpfung anwenden. Der Striegel wirkt aber gegenüber Gräsern schwach oder gar nicht.
- Das Mähen des Unkrauts verhindert Verbreitung von Resistenzen über Samen oder Pollen.
Beim Einsatz von Herbiziden ist es entscheidend, den Erfolg einer Behandlung sicherzustellen. Eine Resistenz sollte nicht mit mangelnder Wirksamkeit aufgrund
von fehlerhafter Anwendung verwechselt werden!
- Achten Sie immer auf die
Einhaltung der Produkteempfehlungen wie Anwendungsstadien und Dosierungen
(Beispiel: gegen Ackerfuchsschwanz und Raigras und/oder in schweren Böden wird
die höhere Dosis eines Bodenherbizids angewendet).
- Prüfen Sie die Mischbarkeit von
Produkten, eventuell entstehen Wirkungsverluste.
- Nutzen sie die Wetterbedingungen,
die den Anforderungen der verwendeten Herbizide entsprechen. Blattherbizide
(Sulfonylharnstoffe oder Hormone) sollten z.B. bei grossen
Temperaturschwankungen nicht eingesetzt werden. Anwendungen unter schlechten Wachstumsbedingungen reduzieren die Wirkung. Beispiel: Periode mit starker Bise nach der Anwendung.
- Wechseln sie die Resistenzgruppen (HRAC-Codes) ab und/oder verwenden Sie Mischungen von Herbiziden mit verschiedenen Wirkmechanismen, wobei idealerweise pro Parzelle über die eingesetzten Produkte und deren Resistenzgruppen Buch geführt wird.

Beispiel für das Vermerken der angewendeten Wirkstoffe bzw. Resistenzgruppen. Parzelle 1 als schlechtes Beispiel, Parzelle 2 als gutes Beispiel (Datenblätter Ackerbau E.5.2).
Situation: Im Getreide ist resistenter Windhalm, Ackerfuchsschwanz oder Raygras vorhanden.
Wichtig zu wissen:
- Welche
Resistenzgruppe(n) ist/sind im konkreten Fall betroffen? Mögliche
Resistenzgruppen: 1, 2, 5
- In Fruchtfolgen mit viel Wintergetreide und wenig Bodenbearbeitung wird die Verbreitung von Windhalm gefördert.
- Die Hauptkeimperiode vom Windhalm ist im Herbst.
- Betroffene Wirkstoffgruppen: HRAC 1, 2, 5
Massnahmen:
- Evtl. Anteil Wintergetreide in der Fruchtfolge oder auf der Parzelle reduzieren.
- Konsequentes Abwechseln von Winter- und Sommerkulturen.
- Späte Saat des Wintergetreide anstreben.
- Auf der betroffenen Parzelle Produkte mit Wirkstoffen der betroffenen Resistenzgruppen wenn möglich vermeiden oder mit anderen Resistenzgruppen ergänzen.
Produktebeispiele:
- Resistenzgruppe 1: Avacco, Avero, Puma Extra, Mandate, Fusilade, Select..
Resistenzgruppe 2: Archipel, Othello (Star), Sprinter, Atlantis Star, Conviso, Equip Power, Titus, Express SX...
Resistenzgruppe 5: Tarak, Carmina, Trinity, Proman, Sencor...
Article publié le : 10.07.2025
Article modifié le : 08.07.2025